Was bedeutet stress?

Teufelkreislauf: Verspannung

Wenn von Stress die Rede ist, denken die meisten Menschen sofort an Zeitdruck, einen vollen Terminkalender und Überforderung im Beruf. Aber auch ganz andere Dinge können einen Menschen stressen – etwa Unterforderung in der Arbeit, das Gefühl, keine erfüllende Aufgabe zu haben oder die eigenen Fähigkeiten nicht einbringen zu können.

 

Nicht zu unterschätzen ist auch der "Freizeitstress", den sich unsere Gesellschaft mehr und mehr selbst auferlegt. Der sportliche Ausgleich wird nicht selten zu einem Wettkampf und Theater, Kino oder Konzertbesuche werden zwanghaft zwischen gesellschaftliche Events gezwängt. Wer nicht up-to-date ist, ist out.

 

Anspruch an das eigene Tun

Stress hat auch mit den Ansprüchen einer Person an sich selbst zu tun und mit ihrer Fähigkeit, regelmäßig für Erholung und Ausgleich zu sorgen. Auch die eigene Psyche hat Einfluss darauf, was ein Mensch als Stress empfindet und wie er damit umgeht: Wer sich leicht damit tut, "Nein" zu sagen, sich nicht von den Meinungen und der Wertschätzung anderer abhängig macht und sich selbst nicht ständig Perfektion abverlangt, ist weniger gefährdet, in eine krankmachende Stress-Spirale zu geraten.

 

Wann soll man mit vorbeugenden Maßnahmen beginnen?

Das Problem mit den vorbeugenden Maßnahmen steckt schon im Namen: man muss den möglichen Problemen bereits VOR ihrem Auftreten entgegenwirken. Zu einem Zeitpunkt also, wo die Motivation "Leidensdruck" noch fehlt. Das erfordert einerseits das Bewusstsein, dass man in die falsche Richtung steuert, und andererseits auch den Mut und die Disziplin etwas zu ändern. Das ist der mit Abstand schwierigste Teil, denn dieses Wissen, was man vorbeugend tun kann, haben bereits viele. Wem es fehlt, der kann sich professionelle Unterstützung durch Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten und Trainer holen. Weiters gilt es zu bedenken, dass Veränderungen Zeit brauchen, bevor sie einem sozusagen "in Fleisch und Blut" übergehen und wirklich greifen. Man muss mit etwa 6 Wochen rechnen!

 

Selbstwert sollte aus anderen Quellen gezogen werden

Jeder Mensch freut sich über Anerkennung und Lob von anderen, und das mit Recht! Sie sollten jedoch nicht ausnahmslos darauf bauen und ihr Selbstwertgefühl ausschließlich von anderen Menschen abhängig machen. Das führt schnell dazu, dass man Dinge nur mehr für andere macht. Je glücklicher das Gegenüber, desto mehr Lob für mich, desto besser fühle ich mich. Bleibt die Anerkennung aus, stürzt man nicht selten in das sprichwörtliche "tiefe Loch".

 

Setzen Sie sich realistische Ziele mit häufigen, kleineren Zwischenstopps und loben Sie sich selbst, sobald Sie eine der Stufen erreicht haben. Denken Sie jeden Abend vorm Einschlafen an mindestens 3 Dinge, egal wie groß oder klein, die Sie tagsüber gemacht haben und auf die Sie stolz sind. Damit sorgen Sie für positive Gedanken und ein gutes Gefühl und können entspannter schlafen.

 

Auch ein neues Hobby kann helfen, denn das erste eigene Gemälde, das neuste Werkstück Marke Eigenbau oder der neu erlernte Tanzstil sind doch wirklich ein guter Grund stolz zu sein! Egal was Sie tun, seien sie nicht zu streng bei der Bewertung, sonst stellt sich schnell eine gegenteilige Wirkung ein!

 

"Umprogrammieren" der eigenen Erfahrungen

Wir alle haben bestimmte Denk- und Reaktionsmuster, die sich im Laufe der Zeit durch unsere Erziehung und unsere gemachten Erfahrungen entwickelt haben. Sie erleichtern uns in vielen Fällen das Leben, können jedoch auch Ursache von Stress und Überforderung sein. Es ist wichtig sich die Situationen, in denen man extrem gestresst ist, genauer anzusehen, um herauszufinden, ob man vielleicht in einer bestimmten Situation immer gleich reagiert und sich daher die Situation immer gleich entwickelt. Unter Umständen erkennt man dann, dass man in einem bestimmten Schema "gefangen" ist und wenn man selbst immer gleich reagiert, wird das Gegenüber auch immer gleich agieren. Manchmal brauchen wir für diesen freien Blick Hilfe von jemandem, der unbeteiligt ist.

 

Erst wenn man die eigenen Muster erkannt hat, kann man sich überlegen, ob es eventuell andere Reaktionsweisen und auch persönliche Einstellungen gibt, die für einen selbst auch passend wären. Schritt für Schritt kann man so eigene Erfahrungen, Denkmuster und Reaktionsmuster sozusagen "umprogrammieren". Wenn Sie dann in einer typischen Situation anders agieren, ist das Gegenüber gezwungen, ebenfalls anders zu agieren – und schon kann man eine stressauslösende Alltagssituation positiv verändern und ihr den stressenden Charakter nehmen. Das klingt durchaus logisch und sehr einfach, ist jedoch wirklich harte Arbeit an der eigenen Persönlichkeit.

 

Gewinnen Sie die Kontrolle zurück!

Stress heißt zuallererst Kontrollverlust: Man hat das Gefühl, in der Arbeit oder im Alltag keinen Einfluss mehr auf die Abläufe zu haben. Man fühlt sich zwischen den Ansprüchen anderer und den beruflichen Anforderungen förmlich zerrieben. Gewinnen Sie wieder Kontrolle über Ihr Leben, indem Sie ausloten, welcher Spielraum Ihnen zwischen Fremdinteressen bleibt. Werden Sie sich bewusst, was wirklich unumgängliche Anforderungen sind und erweitern Sie nach und nach Ihren Handlungsspielraum.

 

Machen Sie Pläne!

Setzen Sie in Beruf und Alltag Prioritäten - und sich selber die Grenzen, die Sie brauchen. Finden Sie heraus, was Sie besonders belastet. Überlegen Sie, was der Grund dafür ist und wie Sie die Belastung entweder meiden können oder besser damit umgehen lernen. Das Erstellen von Listen oder Mindmaps kann dabei helfen, nicht den Überblick zu verlieren und Aufgaben Schritt für Schritt zu erledigen.

 

Pausen einhalten

Entspannung und regelmäßige Pausen sind unerlässlich bei der Stressvermeidung und Stressbewältigung. Freizeit und Entspannung passieren aber nicht einfach: Sie müssen organisiert und eingefordert werden. Wer wartet, bis es im Job einmal weniger stressig zugeht, oder hofft, dass er vom Chef einmal eine Ruhepause verordnet bekommt, wartet oft bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Respektieren Sie auch Ihren eigenen Rhythmus: Sind Sie eher Morgen- oder Abendmensch? Wenn man sich fit und leistungsfähig fühlt, kann man sich schwierigere Aufgaben vorknöpfen, wer abgeschlagen ist, sollte sich zunächst um weniger anspruchsvolle Aufgaben kümmern.

 

Wichtig ist die Pausen, die man macht, auch als solche zu nutzen. In den Nebenraum gehen um mit dem Kollegen ein anderes Projekt zu besprechen zählt nicht als Pause, obwohl sie dafür ihr derzeitige Arbeit unterbrochen haben. Pause bedeutet abschalten, erholen, entspannen, die Muskeln lockern, das Hirn "auslüften". Was Raucher suchtbedingt schon lange tun, dürfen sich auch die Nichtraucher leisten: einfach mal rausgehen an die frische Luft und ein wenig zwanglos Plaudern.

 

Sorgen Sie für Abwechslung!

Schaffen Sie Bedingungen, die es Ihnen ermöglichen, Bewegung Erholung und Entspannung regelmäßig in Ihren Alltag einzubauen. Achten Sie dabei darauf, ein Kontrastprogramm zu ihrem Arbeitsalltag zu finden. Für jemanden, der den ganzen Tag im fensterlosen Raum sitzt und am PC arbeitet, wäre es sinnvoll in der Freizeit Bewegung im Freien zu machen. Für denjenigen, der beruflich den ganzen Tag im Freien Bewegung macht, macht es mehr Sinn als Ausgleich zum Beispiel gemütlich auf der Couch ein Buch zu lesen. Wenn die lange Anreise zu Laufstrecke oder Fitnessstudio zur Ausrede wird, keinen Sport zu treiben, gibt es einen simplen Trick: Laufen Sie gleich von der Haustüre weg. Fahren Sie mit dem Fahrrad in die Arbeit. Und erledigen Sie kürzere Alltagsstrecken zu Fuß anstatt mit dem Auto. Und tragen sie ihr Kontrastprogramm in den Kalender ein, damit erhält es die gleiche Priorität wie jeder andere Termin!

 

Treten Sie kürzer

"80 Prozent sind genug", lautet eine gerne zitierte Manager-Regel. Trennen Sie sich von Ihrer Perfektion! Fehler sind normal und gehören dazu. Wer offen und ehrlich mit sich und anderen umgeht und bereit ist, aus Fehlern zu lernen, geht oft sogar gestärkt aus Niederlagen hervor. Wer sich selbst Unmögliches abverlangt, ist praktisch schon gescheitert.

 

Hinter Ihrer Perfektion und jeder anderen Motivation steckt jedoch eine positive Absicht, die sich durch ihre persönlichen Erfahrungen so entwickelt hat. Diese gilt es zu erkennen und bewahren. Wenn sie diese Grundabsicht beibehalten, können sie die Perfektionsansprüche herunterschrauben und leichter gute Arbeit leisten ohne dabei übertrieben ehrgeizig zu sein.